Alpendörfer | Österreich: Halbnomaden im Bregenzerwald

30.12.2019 - 17:15 Uhr

Ein Film von Wilma Pradetto

Die Alpen boomen – aber nur als Urlaubsort.

Die Bergkette droht von einem Lebensort zu einer Freizeitlandschaft zu verkommen, denn so schön die Alpen sind, es ist nicht leicht, hier zu leben.

Die Arte-Reihe „ALPENDÖRFER“ besucht fünf Dörfer, in denen Menschen versuchen, die Alpen als Lebensort zu erhalten oder wiederzuentdecken. Fünf Beispiele, die Mut machen, auch für andere ländliche Regionen, denen die Menschen den Rücken kehren.

Man nennt sie die Nomaden der Alpen, denn sie bewahren eine Jahrhunderte alte Tradition in Österreich: Bergbauern, die jedes Jahr im Frühjahr ihren Hof verlassen und mit dem Vieh von einem Weidegebiet zum nächsten ziehen, immer höher hinauf in die Berge.

Diese Form der Almwirtschaft in Vorarlberg wird Dreistufenlandwirtschaft genannt und ist so einzigartig, dass sie zum UNESCO Welterbe erklärt wurde. Die Bauern nutzen den hochalpinen Raum, deshalb gibt es im Bregenzerwald keinen einzigen Großbetrieb mit Riesenställen und keinen einzigen Siloturm.

Der Film begleitet die junge Bergbauernfamilie Greußing einen Alpsommer lang.

Anfang Mai verlassen Sarah und Artur mit ihren zwei kleinen Töchtern Anna und Emma den Hof im Dorf Bezau. Früh am Morgen geht es los, mit 20 Kühen, einem Stier, einem Pferd und vielen Umzugskisten.

Erste Etappe ist das 500 Jahre alte Vorsäß Schönenbach, das 15 Bergbauernfamilien gemeinsam bewirtschaften. Sie produzieren Heumilch und Bergkäse. Einen Monat später geht es 1000 Meter höher hinauf, auf die Hochalpe, immer dem frischen Gras und den Bergkräutern hinterher. Durch diese Beweidung verhindern die Tiere die Verbuschung der Alpwiesen und -hänge und erhalten ganz nebenbei eine einzigartige alpine Landschaft, die sich Jahrhunderte lang kaum verändert hat.

Auch wenn viele Stadtmenschen Sehnsucht nach diesem Leben haben, ist es fern von verklärter Alpenromantik. Die Tage in den Bergen folgen einem strengen Rhythmus und sind durchgetaktet – meist 16 Stunden lang. Jeden Tag aufs Neue gilt es den Alltag zwischen Berg und Tal zu bewältigen. Und trotzdem gibt es für Sarah und Artur keine schönere Zeit im Jahr, als den Alpsommer im Bregenzerwald.

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