plan b: Wirtschaft, die gut tut – Wie Unternehmen die Zukunft planen

02.05.2020 - 17:35 Uhr

Ein Film von Sybille Koller

Geht grenzenloses Wachstum auf Dauer? Einige Unternehmen glauben das nicht mehr und steuern deshalb um. Sie wirtschaften mit Bedacht und Weitsicht – im Sinne ihrer Mitarbeiter und der Umwelt.

Das baden-württembergische Unternehmen Richard Henkel GmbH stellt Badeliegen aus Stahlrohr her. Vor einigen Jahren hat die Chefin Susanne Henkel beschlossen, dass ihr Betrieb nicht mehr wachsen soll. Das Erstaunliche: Dem Unternehmen geht es seither besser als vorher.

Die Arbeitsplätze der Mitarbeiter sind sicher, die Rendite stimmt und Geschäftsführerin wie Belegschaft fühlen sich gut. Grundlage war eine Änderung der Geschäftsstrategie: Statt immer mehr Badeliegen herzustellen, konzentriert sich das Unternehmen auf den Erhalt und Ausbau des Kundenstammes durch einen umfassenden Kundendienst. Das überzeugt nicht nur alte wie neue Kunden, die Henkel GmbH hat damit auch die Kosten für sich und für die Umwelt drastisch gesenkt: „Wir haben den Energieverbrauch halbiert, Abfallerzeugung sogar um neun Zehntel reduziert. Das Unternehmen produziert nicht mehr auf Kosten des Planeten.“, verkündet die Geschäftsführerin Susanne Henkel stolz.

Die Tourismusbranche gehört klassischerweise zu denen, in denen alljährlich Wachstumsraten verkündet werden. Doch nun setzen immer mehr Destinationen und Tourismus-Unternehmen auf Reduktion – wie das Hotel Post im österreichischen Bezau. Im Juni vergangenen Jahres hat die Hoteldirektorin Stephanie Rist gemeinsam mit der Inhaberin Susanne Kaufmann das Geschäftsmodell des Vier-Sterne-Hotels in Vorarlberg komplett umgekrempelt. Business-Seminare wurden gestrichen, der Restaurantbetrieb wurde eingeschränkt, die Speisekarte radikal reduziert: zugunsten von familienfreundlicheren Arbeitszeiten für ihre Angestellten und natürlich der Umwelt zuliebe. Seit diesem Jahr gibt es direkt neben dem Hotel einen Gemüsegarten, in dem zwei Mal wöchentlich geerntet wird. „Was nicht direkt auf den Tellern der Gäste landet, wird eingeweckt – wie es schon meine Oma machte.“, sagt Stephanie Rist. So können die Gäste auch im Winter die ökologisch gewachsenen Obst- und Gemüsesorten aus dem Garten genießen.

Der Outdoor-Ausrüster Patagonia aus Kalifornien hat Nachhaltigkeit und einen hohen Sozialstandard zur Geschäftsphilosophie gemacht. Der Gründer Yvon Chouinard ist als Kletter-Pionier vor allem im Yellowstone-Nationalpark bekannt geworden. Nachhaltigkeit, Upcyling, klimabewusste Produktion, transparente Lieferketten sind selbstverständlich, ein Prozent des Umsatzes fließt bereits seit den 80ern in Umweltprojekte. Die Outdoorkleidung wird von vornherein auf  bestmögliche Haltbarkeit angelegt – die Kunden sollen NICHT alle paar Jahre ihre Jacke wegwerfen und eine neue kaufen. „Und sollte doch mal was kaputt gehen, reparieren wir die Kleidungsstücke. Zwei Mal im Jahr sogar direkt dort, wo die Menschen Sport treiben.“, erklärt Ryan Gellert, der Geschäftsführer für Patagonia Europa. Ein umgebauter Truck mit Nähstübchen fährt im Winter in die Skigebiete, um Schneeanzüge, Anoraks und Fleecepullis direkt an der Piste zu flicken.