Machtkampf im Pazifik

Machtkampf im Pazifik

Machtkampf im Pazifik – Ein Südseeparadies im Visier der Supermächte

Ein Film von Matthias Fuchs. Hergestellt von Berlin Producers Media. Eine Sendung des WDR in Zusammenarbeit mit ARTE. 52 Minuten (D 2025)

Die Salomonen sind paradiesischer Inselstaat und geopolitisches Pulverfass zugleich. China überschüttet die Inseln mit Geschenken, aber auch Australien und die USA kämpfen um Einfluss. Strategisch im Pazifik gelegen, scheinen die Inseln für die Supermächte äußerst wertvoll. Doch wie lange kann ein kleiner Staat im globalen Ringen der Supermächte seinen eigenen Weg gehen, ohne unterzugehen?

Die Salomonen sind ein Südseeparadies mit Palmenstränden und zugleich auch ein geopolitisches Pulverfass. Der Inselstaat, bis 1978 britische Kolonie, gerät zunehmend ins Visier der Großmächte. China verteilt großzügig Geschenke und investiert etwa in Infrastruktur und Gesundheitsversorgung, während Australien und die USA mit eigener Entwicklungshilfe gegenhalten. Der Machtkampf spaltet die Gesellschaft: Korruption, Proteste und gewaltsame Ausschreitungen sind die Folge.

Grund für den Wettkampf der Großmächte ist die strategische Lage der Salomonen. Schon im Zweiten Weltkrieg waren die Inseln umkämpft. Und auch heute haben sie eine Schlüsselstellung – gerade für Chinas Pläne im Pazifik. Nur zu gerne nimmt man die Geschenke aus Peking – denn die Salomonen sind eines der ärmsten Länder in der Region. Doch für viele Einwohnerinnen und Einwohner ist der Preis hoch und bedeutet Ausbeutung von Rohstoffen, illegale Fischerei und Umweltzerstörung. Zwischen den Interessen Pekings und Washingtons versuchen die Salomonen, ihre Souveränität zu bewahren. Doch wie lange kann ein kleiner Staat im globalen Ringen der Supermächte seinen eigenen Weg gehen, ohne selbst unterzugehen?

 
ARTE strahlt diesen Film auch in einer untertitelten Fassung für Hörgeschädigte aus.

Sternstunden der Musik: Nikolaus Harnoncourt dirigiert Monteverdi

Sternstunden der Musik: Nikolaus Harnoncourt dirigiert Monteverdi

Sternstunden der Musik: Nikolaus Harnoncourt dirigiert Monteverdi

Ein Film von Holger Preuße und Philipp Quiring ZDF/ARTE, 43 min, 2025

„L‘Orfeo“ von Claudio Monteverdi ist eine der frühesten Opern. Es ist die Geschichte von Orpheus und Eurydike, einem jungen Liebespaar, das vom Schicksal getrennt, erneut auf die Probe gestellt wird. Möglichst originalgetreu, wie zur Uraufführung mehr als 350 Jahre zuvor soll sie 1975 wieder erklingen. In Zürich auf der Bühne und später in Wien als Film-Produktion. Eine radikale Vision des österreichischen Dirigenten Nikolaus Harnoncourt, inszeniert von Star-Regisseur Jean-Pierre Ponnelle.

Harnoncourt holte das historische Klangereignis zurück. Akribisch suchte er Musikerinnen und Musiker alter Instrumente zusammen und vereinte sie zu einem Ensemble. Es gelang ihm die Oper nicht nur verständlich, sondern fesselnd erklingen zu lassen. Dramatischer, unmittelbarer, direkter als es jede Modernisierung gekonnt hätte. Harnoncourt zeigt mit seiner Historischen Aufführungspraxis, dass die scheinbar so alte, so vergangene Musik des frühen Barock dann am klarsten zu einem heutigen Publikum spricht, wenn man sie mit den Instrumenten, den Spieltechniken und im Bewusstsein der künstlerischen Absichten der Zeit ihrer Entstehung zum Klingen bringt.

Ponnelle, der schon in jungen Jahren Bühnenbilder für Monteverdi-Opern entwirft, verwandelt die Welt des Orpheus-Mythos in ein wildromantisch bis düsteres Schlaraffenland mit antiken Anspielungen. Opulente Kostüme treffen auf eine lebendig szenische Umsetzung und ein Spiel voller Leidenschaft.

Herausragende Sängerinnen und Sänger wie Anna-Lucia Richter, Rolando Villazón, Elsa Benoit und Äneas Humm sowie Nikolaus Harnoncourts Sohn Philipp kommentieren die legendäre Inszenierung von vor 50 Jahren.

Sternstunden der Musik: Die New Yorker Philharmoniker in Nordkorea

Sternstunden der Musik: Die New Yorker Philharmoniker in Nordkorea

Sternstunden der Musik: Die New Yorker Philharmoniker in Nordkorea

Ein Film von Alix François Meier ZDF/ARTE, 43 min, 2025

Kann Musik tatsächliche eine Rolle in der Diplomatie spielen, gar Veränderungen bewirken? Ein Fax aus dem nordkoreanischen UN-Büro scheint dafür den Weg zu ebnen: 2008 laden die Machthaber in Pjöngjang die New Yorker Philharmoniker ein – 55 Jahre nach dem Koreakrieg zum ersten großen kulturellen Austausch zwischen den USA und Nordkorea. Was zunächst wie ein Scherz wirkt, wandelt sich zu einem der außergewöhnlichsten Konzerte der Musikgeschichte.

48 Stunden in der hermetisch abgeriegelten Hauptstadt erleben die Musiker:innen ein Land wie aus der Zeit gefallen. Violinistin Lisa Eunsoo Kim beschreibt die Ankunft: „Es fühlte sich nicht wie ein normaler Flughafen an“. Sie war überrascht vom Einsammeln der Pässe und Handys. Die Musiker erfahren, wie stark die Kontrolle über die Gäste ausgeübt wird. „Wir durften das Hotel nicht verlassen, und wer spazieren gehen wollte, wurde sofort zurückgepfiffen“, erinnert sich der Fernsehregisseur Michael Beyer.

Im Großen Theater von Ost-Pjöngjang herrscht anfangs eisige Förmlichkeit. Das Publikum wirkt vorsichtig, zurückhaltend – ein deutlicher Kontrast zu den gewohnten Konzertreisen in Asien. Doch Chefdirigent Lorin Maazel schafft es, im Laufe des Konzerts die Barrieren zu durchbrechen. „Mein Vater spielte viel in der Sowjetunion“, so sein Sohn Leslie Maazel, „er ist damals überzeugt: Musik verstehen und fühlen alle – sie kann die Tür für Dialoge öffnen.“

Die Programmauswahl erweist sich als diplomatischer Geniestreich. „Der Ablauf war sorgfältig zusammengestellt,“ erinnert sich Dietlinde Turban-Maazel, „es entwickelte sich von den Nationalhymnen zum ernsteren Dvořák.“ Antonín Dvořáks Sinfonie „Aus der Neuen Welt“ – komponiert von einem Tschechen in Amerika – wird zur perfekten Brücke zwischen den Welten. Dirigentin Lidiya Yankovskaya erklärt die emotionale Bandbreite des Werks, das Menschen unabhängig von ihrer politischen Situation berührt. Maestro Maazel Dirigierstil zeichnet für die Violinistin Bomsori Kim von seiner intellektuellen Präzision und emotionaler Tiefe.

Besonders bewegend: Für Leonard Bernsteins Candide-Ouvertüre tritt Lorin Maazel vom Pult zurück. Er lässt es bewusst ohne Dirigent gespielt – eine subtile Botschaft über Selbstorganisation ohne „großen Führer“.

Der Höhepunkt kommt mit „Arirang“, einem koreanischen Volkslied. Hier bricht endgültig der Bann: Das Publikum zeigt Emotionen, der kulturelle Austausch gelingt. Trotz aller politischen Spannungen beweist das Konzert die verbindende Kraft – eine Sternstunde der Musik.

Sternstunden der Musik: Martha Argerich & Daniel Barenboim in Buenos Aires

Sternstunden der Musik: Martha Argerich & Daniel Barenboim in Buenos Aires

Sternstunden der Musik: Martha Argerich & Daniel Barenboim in Buenos Aires

Ein Film von Dag Freyer ZDF/ARTE, 43 min, 2025

Zwei Künstlerpersönlichkeiten, wie sie auf den ersten Blick unterschiedlicher kaum sein könnten: Martha Argerich, die – sitzt sie einmal am Klavier – mit bezwingender Virtuosität und genialer Impulsivität den Konzertsaal unter Strom setzen kann, die abertausend Tode stirbt, bevor sie die Bühne betritt, und die nichts weniger liebt, als öffentlich über sich und ihre Kunst zu sprechen. Und Daniel Barenboim, dessen schwindelerregende Vielzahl von Aktivitäten am Pult, am Klavier, in Politik und Lehre begleitet wird von der Freude an der medialen Vermittlung. Argerich, die in der Öffentlichkeit scheu und am Klavier so extrovertiert ist, und Barenboim, der die Aura des selbstgewissen Maestros ausstrahlt und der – besonders als Solist am Klavier – durch seine Kunst der Versenkung und Introspektion, durch die stillen Töne aufhorchen lässt.

Beide verbindet von Jugend an eine an musikalischen Sternstunden reiche Künstlerfreundschaft. Was geschieht, wenn diese so unterschiedlichen Persönlichkeiten ein Piano Duo bilden?

Im Jahre 2014 kam es im Teatro Colón zu einem denkwürdigen Konzert der beiden Ausnahmekünstler an zwei Klavieren. Gemeinsam hatten die beiden Superstars beinahe überall auf der Welt schon gemeinsam gastiert – nur nicht in ihrer Heimatstadt. Ihr erstes gemeinsames Auftreten in Buenos Aires geriet zu einer musikalischen Sternstunde und zu einer Art Volksfest gleichermaßen.

Elena Bashkirova, Ehefrau von Daniel Barenboim und selbst gefeierte Pianistin, erinnert sich daran, wie „das Publikum völlig aus dem Häuschen geriet“ und welch besonderes Ereignis das Konzert auch für Argerich und Barenboim selbst war, „weil die beiden sich nirgendwo so zuhause fühlen wie dort“.  Auch Kian Soltani kann sich gut an die Elektrizität erinnern, die an jenem Abend in der Luft lag, denn er stand bei einem Stück mit erweiterter Besetzung an diesem Abend mit auf der Bühne. Lang Lang und Gabriela Montero haben selbst mit diesen Künstlern konzertiert, auch als Piano-Duo, und sprechen darüber, was die besondere musikalische Chemie zwischen Martha Argerich und Daniel Barenboim ausmacht, und das „Geister Duo“ – die Gewinner des ARD-Musikwettbewerbs 2021 – geben Einblicke in die besondere Kunst des Spiels als Piano Duo.

Während ihres Aufenthalts in Buenos Aires gingen Argerich und Barenboim auf Spurensuche nach Orten ihrer Kindheit, wo sie sich kennenlernten.

Und wie erinnert sich Daniel Barenboim selbst an das Konzert? Er lacht: „Mit Martha ist es total einfach. Das ist nicht mit jedem so. Man kann sich in sie nur verlieben.“

Spionagefall Robert Oppenheimer

Spionagefall Robert Oppenheimer

Spionagefall Robert Oppenheimer

Ein Film von Bertina Henrichs. Hergestellt von Berlin Producers Media in Koproduktion mit Acqua Alta im Auftrag des ZDF in Zusammenarbeit mit ARTE.

Als die USA in den Jahren von 1943-45 in Los Alamos in New Mexico die Atombombe entwickelten, standen der Leiter des Projektes, J. Robert Oppenheimer, und seine Mitarbeiter unter enger Beobachtung sowohl durch das FBI als auch durch Spione der Sowjetunion. Aus Anlass des 80.Jahrestages der Bombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki rekonstruiert die TV-Dokumentation den „Spionagefall Oppenheimer“.

Die Entwicklung der amerikanischen Atombombe in Los Alamos verlief unter strengster Geheimhaltung. Trotzdem wurde das Projekt „Manhattan“ von Spionen beider Seiten bespitzelt. Das FBI beschattete den Leiter der Operation, Robert Oppenheimer, bereits seit seiner Zeit als Professor in Berkeley und setzte dies auch in Los Alamos und in den Jahren danach fort, als er sich für eine internationale Kontrolle der Atomwaffen einsetzte.  In der Anhörung durch die Atomenergiekommission, die damit endete, dass Oppenheimer der Zugang zu atomaren Geheimnissen entzogen wurde, versorgte das FBI die Anklage mit über 7000 Seiten Abhörprotokollen – und verwanzte obendrein während des ganzen Verfahrens das Telefon seiner Anwälte.

J. Robert Oppenheimer

Doch auch die Gegenseite hatte ihn im Visier. Der deutsche Physiker Klaus Fuchs, ein enger Mitarbeiter Oppenheimers, spionierte für die Sowjetunion in Los Alamos. Außer ihm waren noch drei weitere Spione am „Manhattan Project“ beteiligt. Theodore Alvin Hall, Deckname MLAD, übergab schon 1944 wichtiges Material über die Implosions-Methode und andere Aspekte der Konstruktion einer Atombombe an die Sowjetunion. Er wurde bereits 1950 verdächtigt, bestritt aber zu jener Zeit alle Anschuldigungen und wurde nie verurteilt. Der letzte der russischen Spione, Oscar Seborer, wurde erst vor wenigen Jahren enttarnt.

Der Film rekonstruiert, wie das Klima des Misstrauens und die Beschattung durch beide Seiten die Entwicklung der Atombombe beeinflusste, wie der Mensch Oppenheimer davon geprägt wurde und was dies für den sich entwickelnden Kalten Krieg bedeutete.