7 Leben für die Musik – Die Familie Kanneh-Mason

7 Leben für die Musik – Die Familie Kanneh-Mason

7 Leben für die Musik – Die Familie Kanneh-Mason

Ein Film von Catharina Kleber, ZDF/3sat, 60 min, 2022

Eine Familie mit sieben Kindern, jedes einzelne ein musikalisches Ausnahmetalent.
Die Kanneh-Mason Geschwister beweisen mit begeisternder Energie und großem Erfolg, dass klassische Musik nicht nur von Weißen für Weiße ist. Die Dokumentation „7 Leben für die Musik – Die Familie Kanneh-Mason“ von Catharina Kleber, zu sehen in 3sat am Samstag, 5. Februar 2022, 20.15 Uhr, gibt mitreißende, emotionale und überraschende Einblicke in das private und das berufliche Leben der Familie. 

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Mit Sheku fing alles an: Das englische Königshaus lud den Gewinner der „BBC Young Musician Competition 2016“ ein, um die Trauung von Prinz Harry und Meghan Markle auf dem Cello zu begleiten. Über Nacht war er weltberühmt und zog seine Geschwister mit ins Rampenlicht. Isata, die älteste der sieben, spielt beim Schleswig-Holstein Musikfestival, die kleine Schwester Jeneba in der Londoner Wigmore Hall, jede und jeder machen ihren Weg. Sie treffen dabei auf prominente Namen, auf Simon Rattle und Christoph Eschenbach, auf Daniel Hope und Thomas Hampson. Vor allem aber gehen sie gemeinsam durchs Leben und stärken einander im Besteigen der Siegertreppchen der Welt. So tritt die Familie in der Royal Albert Hall bei einem der legendären BBC Proms Konzerte auf und spielt in den sagenumwobenen Abbey Road Studios eine CD ein.

Die Eltern sind oft dabei, aber die Kinder werden von ihnen nicht gedrillt wie Bach, Mozart oder die Jackson Five. Kadie und Stuart, mit ihren Wurzeln in Sierra Leone und der Karibik, sind selbst vom Talent und Willen ihrer sieben Kinder überrascht. Sie schaffen es diese Eigenschaften zu fördern ohne sie zu überfordern.

Die Dokumentation porträtiert alle Mitglieder der Familie, blickt auf ihre Wünsche und Ziele, aber auch auf ihre Hürden und Sorgen. Sie ist bei den Proben im Wohnzimmer, beim Kicken auf dem Fußballplatz und bei vielen Konzerten dabei. Die Familie weiß, dass es auch heute für schwarze Musikerinnen und Musiker schwerer ist, in der Klassikszene erfolgreich zu sein. Aber sie zeigt überzeugend, dass es auf keinen Fall so bleiben darf.

The Lucky Tenor – José Carreras wird 75

The Lucky Tenor – José Carreras wird 75

The Lucky Tenor – José Carreras wird 75

Ein Film von Beatrix Conrad, BR/WDR/SWR und C Major Entertainment, 45 min, 2021

Das Privatleben von José Carreras lief nicht immer so glanzvoll und ungetrübt wie seine Weltkarriere: Seine Familie wurde vom Franco-Regime verfolgt, seine Mutter stirbt an Krebs, als er gerade mal 18 Jahre ist, Ende der 80er Jahre erkrankt er an Leukämie. Damals noch ein sicheres Todesurteil. Carreras nimmt den Kampf auf und überlebt als einer der ersten Patienten, bei dem eine Knochenmarktransplantation durchgeführt wird.

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Gerade der Umgang mit den tragischen Momenten seines Lebens verrät viel über den Menschen hinter dem Opernstar. Er ist ein unermüdlicher Kämpfer, ein großer Kommunikator und ein gnadenloser Optimist. Seine Energie stellte er nicht zuletzt 1990 mit der Gründung der „Drei Tenöre“ an der Seite von Luciano Pavarotti und Placido Domingo unter Beweis. Kurz vor der Gründung war Carreras Teil der ersten Einspielung der „West Side Story“ von Leonard Bernstein, in der er als einziger Spanier die Hauptrolle des amerikanischen Tony übernahm.

Das mittlerweile 30jährige Engagement für die José Carreras Leukaemia Foundation sind ein weiterer Beweis für die unbeugsame Natur des Spaniers: Jahr für Jahr lädt er die Stars nach Leipzig zu seiner Spendengala ein. Über 220 Millionen Euro kamen dabei bisher zusammen – auch das ein beeindruckendes Lebenswerk.

Ein bewegendes Abschiedskonzert gibt der Tenor in seiner zweiten musikalischen Heimat: in der Wiener Staatsoper. Das Publikum bedankt sich bei ihm mit minutenlangem Applaus. Danke und Adieu an The Lucky Tenor.

Tschaikowsky in Moskau – Julian Rachlin & Denis Matsuev

Tschaikowsky in Moskau – Julian Rachlin & Denis Matsuev

Tschaikowsky in Moskau – Julian Rachlin & Denis Matsuev

Ein Film von Isabel Hahn, WDR/arte, 43 min., 2021

Für Denis Matsuev und Julian Rachlin ist es eine Herzensangelegenheit. Die beiden Freunde spielen zum ersten Mal gemeinsam das Erste Klavierkonzert von Peter Tschaikowsky – eines der Schlachtrösser der Musikliteratur. Tschaikowsky hat es in Moskau komponiert, es ist zu einem festen Bestandteil der russischen Kultur geworden. Matsuev geht sogar einen Schritt weiter: „Es ist die Hymne der russischen Musik.“

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Der litauisch-österreichische Violinist und Dirigent Julian Rachlin hat persönliche Wurzeln in Russland. Sein Vater kommt aus Tscheljabinsk am Ural und seine Eltern haben in St. Petersburg und Moskau Musik studiert: „Ich spreche die Sprache und das kommt wahrscheinlich bei den Musikern an“.

Die jungen Musikerinnen und Musiker des Russischen Nationalen Jugendsymphonieorchesters (RNYSO) kommen aus 42 verschiedenen Regionen. „Ich liebe dieses Orchester. Jedes Jahr suchen wir mit unserer Stiftung im ganzen Land nach begabten Jugendlichen. Und jedes Jahr finden wir fantastische junge Musiker, die nicht mal aus Musikerfamilien stammen. Das ist magisch“, erzählt Denis Matsuev. Der Pianist hat die Gründung des größten Jugendorchesterprojekts Russlands im Jahr 2018 mit initiiert.

Er selbst wurde als Jugendlicher in seiner Heimatstadt Irkutsk in Sibirien entdeckt und kam nach Moskau, um am renommierten Tschaikowsky Konservatorium zu studieren. „Das ist Denis‘ zweites Wohnzimmer“, erzählt Rachlin lachend, „vielleicht ist er noch öfter auf dieser Bühne als zu Hause.“ Doch keine Spur von Langeweile: Die Musiker kriegen nicht genug von dem Saal, der wegen seiner exzellenten Akustik zu den besten Konzertsälen weltweit zählt.

Die Proben finden im Süden Moskaus statt. Einen Tag vor dem Konzert kommt Denis Matsuev dazu. Die einzige gemeinsame Probe ist kurz und intensiv, und offenbart die vertraute Beziehung zweier Künstlerpersönlichkeiten, deren Lust am gemeinsamen Musizieren ansteckend ist. Tschaikowskys Musik weckt in Matsuev persönliche Erinnerungen – an eine Jugendliebe und den Moment, als er als Zwölfjähriger zum ersten Mal das Klavierkonzert vor Publikum gespielt hat: „Ich war wahrscheinlich der glücklichste Junge der Welt.“

Nach der Probe nimmt uns Julian Rachlin mit auf einen Streifzug durch die winterliche Stadt und zu alten Freunden, die im Süden Moskaus wohnen und auch Musiker sind. Gemeinsam lassen sie den Abend vor dem Konzert bei einem Abendessen mit kulinarischen Spezialitäten und einer nächtlichen Schlittenfahrt ausklingen.

Sternstunden der Musik | Jessye Norman und Kathleen Battle singen Spirituals

Sternstunden der Musik | Jessye Norman und Kathleen Battle singen Spirituals

Sternstunden der Musik | Jessye Norman und Kathleen Battle singen Spirituals

Ein Film von Dag Freyer, ZDF/arte und C Major Entertainment, 43 min., 2021

Der Abend im März 1990 steht unter enormem Erwartungsdruck. Die Spannung knistert an allen Ecken. Würden die beiden konkurrierenden Diven es tatsächlich schaffen, gemeinsam und nicht gegeneinander zu singen? Obwohl Spirituals sich inzwischen als Konzertrepertoire etabliert hatten, ist es doch stets ein Wagnis, die Wucht klassisch geschulter Stimmen auf die innig-schlichten Melodien „loszulassen“.  Kann der Geist von Musik, die Menschen in der Unterdrückung Lebenskraft, Mut und Trost spenden sollte, von hochvirtuosen Stimmen für Hörer auf sündteuren Opernplätzen bewahrt werden?

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Die beiden Diven erobern die Carnegie Hall im Sturm, Kritik und Publikum huldigen ihnen: Es ist ein musikalisches Fest aus Charisma, Virtuosität, Lebendigkeit und Show. Jessye Norman dominiert mit ihrem authentischen Timbre und einem afrikanisch-farbenprächtigen Kostüm die Bühne, Kathleen Battle trifft noch die feinsten hohen Koloraturen. Eine magische Einheit entsteht zwischen den beiden gegensätzlichen Künstlerinnen an diesem Abend, als sie sich dem Repertoire annehmen, mit dem in ihrer Jugend ihr musikalischer Werdegang begonnen hatte.

Peter Gelb, damals der Produzent des Konzerts und heute der General Manager der Metropolitan Opera, erinnert sich an die Umstände, unter denen dieses besondere Konzertereignis entstand. Queen Esther Marrow, die Gründerin der Harlem Gospel Singers, und die in Berlin lebende Jocelyn B. Smith unterstreichen den spirituellen Aspekt und die politische Dimension des Abends.

Hört man das Konzert heute, 3 Jahrzehnte der Desillusionierung später, so hört man es unweigerlich im Kontext der „Black Lives Matter“ – Bewegung, die sich durch eine Häufung von Polizeigewalt gegen Schwarze gebildet hat. Ein Rollback, wie es wohl insbesondere die beiden Sängerinnen nicht erwartet hätten, die ihr eigenes Kapitel der Bürgerrechtsbewegung vollendeten, indem sie das Auftreten Nicht-weißer Sänger*Innen auf den Opernbühnen zur Normalität machten.

Wir hören die packenden Duette wie Scandalize my Name und „Klassiker“ wie Swing low, sweet Chariot erneut und versuchen, das Konzert in seiner damaligen und heutigen musikgeschichtlichen wie politischen Dimension zu erfassen – vor allem aber, um die einzigartige Performance zu genießen, die dieser genuin afroamerikanischen Ausdrucksform weltweite Wertschätzung eroberte.

Sternstunden der Musik | Der Jahrhundertring 1976

Sternstunden der Musik | Der Jahrhundertring 1976

Sternstunden der Musik | Der Jahrhundertring 1976

Ein Film von Eric Schulz, ZDF/arte und C Major Entertainment, 43 min., 2021

Die künstlerischen und gesellschaftlichen Wellen schlugen hoch, noch bevor sich der erste Vorhang hob. Flugblätter wurden verteilt und Unterschriften gegen die Inszenierung gesammelt, Musiker verließen den Orchestergraben, weil sie mit der avancierten Interpretation durch den Dirigenten Pierre Boulez nicht einverstanden waren. Die konservative Presse wehrte sich gegen die politisch-kapitalismuskritische Deutung von Richard Wagners Hauptwerk „Der Ring des Nibelungen“. Nach der Absage von Ingmar Bergmann wurde der erst 31jährige Fernseh- und Filmregisseur Patrice Chéreau verpflichtet. Er hatte bislang lediglich eine Oper von Rossini und Offenbach inszeniert. Als Konzept für den mehrteiligen und vielstündigen „Ring“ hatte er bei Wolfgang Wagner eine Schreibmaschinenseite eingereicht. Es blieben ihm vier Monate Zeit, das gewaltige Bühnenwerk zu erarbeiten.

1976: Das hundertjährige Bestehen der Bayreuther Festspiele sollte mit einer Neueinstudierung von Richard Wagners „Ring“ groß gefeiert werden. Im Foyer des Festspielhauses wollte man eigentlich die Jubiläumsstimmung verbreiten, aber da spuckte Bayreuths Stammkundschaft Gift und Galle gegen die „entartete Kunst“: „Ein Kasperltheater“, „brutale Vergewaltigung“ und „der Wagner, der Richard, dreht sich im Grabe um“ konnte man hören. Bürgerinitiativen aus Mannheim und Heidelberg mit dem Slogan „Werkschutz für Wotan“ gründeten sich und man suchte die Aufführung durch Buhrufe zu stören. Vereinzelt kam es zu Rangeleien und Schlägereien.

Patrice Chéreau hat sich in seiner Inszenierung konsequent an den sozial-politischen Kunstschriften von Richard Wagner orientiert, die der Komponist im Kontext seiner Arbeit am „Ring“ geschrieben hatte. Es war keine vordergründige linke Ideologie, sondern es war Wagners Versuch, einer Epoche ihr mythologisches Fundament zu geben und die Gesinnung der Zeit einzufangen. Der „Ring“ wird so zu einer Allegorie auf das industrielle Zeitalter in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit all seinen politischen Implikationen. Patrice Chéreaus Ansatz war es, den „Ring des Nibelungen“ als „eine Beschreibung der schrecklichen Perversionen der Gesellschaft, die sich in dieser Erhaltung der Macht begründet“ zu verstehen und ihn in seinen „Mechanismen eines starken Staates und der Opposition“ zu entlarven. Diese Art der Interpretation gefiel vor allem den Altwagnerianern und rechtskonservativen Kreisen überhaupt nicht. Trotz aller Anfeindungen, Festspielleiter Wolfgang Wagner und das Regieteam hielten an ihrem Konzept fest und überließen die Bühne der Kunst.

Der „Jahrhundertring“ erfüllte das Diktum Richard Wagners, dass mit dem „Ring“ ein musikalisches Gesamtkunstwerk zu schaffen sei. Mit der Inszenierung, dem Bühnenbild und Lichtdesign, den Kostümen, der musikalischen Interpretation und nicht zuletzt der sängerischen Qualität der zahlreichen Solisten und des Chores wurde ein Mythos geboren. Das deutsch-französische Projekt endete mit einem der größten musikalischen Triumphe; die Inszenierung wurde als Jahrhundertereignis gefeiert.

Der Film zeigt Ausschnitte von diesem im wahrsten Sinne monumentalen Opernereignis. Zeitzeugen blicken zurück und kommentieren das Geschehen auf und jenseits der Bühne. Die Sopranistin Dame Gwyneth Jones, die Altistin Hanna Schwarz und der Tenor Heinz Zednik standen damals mit auf der Bühne. Der französische Regisseur Vincent Huguet erzählt von seiner Zusammenarbeit mit Patrice Chéreau, dessen Assistent er in späteren Jahren war; die junge Sängerin Anna Prohaska, der Wagner-Sänger Günther Groissböck und Regisseur Barrie Kosky haben sich mit dem „Jahrhundertring“ auseinandergesetzt und sprechen über ihre Eindrücke. Und Friedrich Dieckman hat als Berichterstatter eine der wichtigsten Rezensionen über die die Vorgänge in Bayreuth geschrieben.