Karneval! Wir sind positiv bekloppt

„Den ersten Szenenapplaus gab es schon, da war der Film noch gar nicht richtig gestartet. Eine Bildcollage aus dem Rosenmontagszug wird von Johann Strauss’ „Frühlingsstimmen“ untermalt. Die Komposition der Bilder mit der klassischen Musik ist atemberaubend. Bei den rund 300 geladenen Gästen, darunter viele Experten aus Karnevalsgesellschaften, sorgte sie für Gänsehaut, die sich direkt in begeistertem Applaus Bahn brach.
(…)
Der 90-minütige Film erzählt, wie viel Blut, Schweiß und Tränen das närrische Treiben das ganze Jahr über kostet. (…)  Claus Wischmanns Film macht unheimlich Lust auf die tollen Tagen. Dass dieses Kunststück ausgerechnet einem gebürtigen Westfalen gelingt, macht die Stärke der Dokumentation aus. Frei von peinlicher Kölschtümelei oder bräsiger Selbstverliebtheit wirft Wischmann, einen neutralen, leicht distanzierten Blick auf das karnevalistische Treiben.
Und trotzdem ist der Streifen voller Sympathie für seine Protagonisten und den kölschen Fastelovend. Ein purer, wahrhafter und ergreifender Blick auf ein ganzes Jahr und eine ganze Stadt im Zeichen des Karnevals.“

KÖLNISCHE RUNDSCHAU, 21.11.2013 zu: „Wir sind positiv bekloppt“

„Claus Wischmann dürfte mit seinem Film so manchen ‚Ausländer‘ animieren, die ‚tollsten Tage‘ des Jahres mal in Köln zu verbringen.“
FILMECHO

„Gewährt kurz vor Beginn der Session am 11.11. einen Blick hinter die Kulissen – und in die Kölsche Seele.“
ARD Nachtmagazin
Bericht zum Film mit Premierenstimmung am 30.10. : http://www.tagesschau.de/kultur/karneval-doku-101.html
 
„Vermittelt viel von der Stimmung und jede Menge Emotionen“
ARD Brisant http://www.mdr.de/brisant/video231980.html

„Macht unheimlich Lust auf die Tollen Tage. Dass dieses Kunststück ausgerechnet einem gebürtigen Westfalen gelingt, macht die Stärke der Dokumentation aus. Frei von peinlicher Kölschtümelei oder bräsiger Selbstverliebtheit…Ein purer, wahrhafter und ergreifender Blick auf ein ganzes Jahr und eine ganze Stadt im Zeichen des Karnevals.“
Kölnische Rundschau

„Zum Lachen, Weinen, macht Sentimental und weckt Erinnerungen – ganz wie der Karneval selbst.“
koeln.de
http://www.koeln.de/koeln/karneval-wir-sind-positiv-bekloppt_863004.html

WDR3 „Kultur am Nachmittag“
Beitrag mit Interview Claus Wischmann vom 2.11.
http://www.wdr3.de/programm/sendungen/wdr3kulturamsonntag/index.html

WDR WestArt Magazin
Bericht zum Film mit Interview Claus Wischmann am 4.11.
http://www1.wdr.de/fernsehen/kultur/west-art-magazin/sendungen/karnevalfilm102.html

„Macht unheimlich Lust auf die Tollen Tage. Dass dieses Kunststück ausgerechnet einem gebürtigen Westfalen gelingt, macht die Stärke der Dokumentation aus. Frei von peinlicher Kölschtümelei oder bräsiger Selbstverliebtheit…Ein purer, wahrhafter und ergreifender Blick auf ein ganzes Jahr und eine ganze Stadt im Zeichen des Karnevals.“

KÖLNISCHE RUNDSCHAU

Einr Produktion von sounding images Köln

Die Ahnen der Queen

Die Arte-Doku (…) präsentiert ihr Thema überraschend anschaulich, spannend und informativ zugleich. Im Mittelpunkt steht Leopold von Sachsen-Coburg und Gotha, der als verarmter Adel 1790 in Coburg geboren wird und als König der Belgier sterben wird. Dann sitzt seine Familie auf Thronen in England, Spanien, Portugal und anderswo. Präsentiert wird diese überaus spannende Lebensgeschichte im Wesentlichen von einer einzigen Person: Martin Rother ist zugleich Schauspieler und Reporter.

Er schlüpft für Spielszenen in Kostüme, besucht Archive, reist durch Europa, trifft sich mit derer zu Sachsen-Coburg. Ständig ist er in Bewegung, befragt die Experten beim Besichtigen von Herrschaftshäusern, beim Durchblättern von Briefen. Dadurch kommt trotz vieler Informationen nie Langeweile auf, und man weiß am Ende sogar, wer den Weihnachtsbaum nach England brachte.

Neue Osnabrücker Zeitung

De Gaulle & Adenauer: Eine deutsch-französische Freundschaft

Es ist vielen Zeitgenossen vielleicht nicht mehr bewusst, weil inzwischen alles glatt geht. Aber ein wirkliches, seinerzeit an ein Wunder grenzendes politisches Ereignis war die Aussöhnung mit Frankreich unter Adenauer. Kein zwischenstaatliches Verhältnis bei uns (schon gar nicht das mit England), war so affektbesetzt, so aufgeladen mit Groll und Hass, aber eben auch mit gegenseitiger Bewunderung, ja mit dem Wunsch, vom jeweils anderen geliebt zu werden, wie das zu Frankreich.

Versailles 1871 und 1919, Compiègne 1918 und 1940, Verdun und der Ruhrkampf: mag ja alles sein. Mag alles wehgetan haben. Aber der gebildete Deutsche, der kultivierte Franzose wusste immer: „Wir sind die beiden Flügel des Abendlandes. Wer den einen behindert, lähmt den Flug des anderen.“ So steht es in Romain Rollands epochalem Roman „Jean Christophe“ von 1912, und so bleibt es. Auch wenn wir uns in der Zwischenzeit an andere Partner rangemacht haben: Seelengeschichtlich bleibt Frankreich für Deutschland die Nummer 1.

Ein willkommener Anlass, an diese unumstößliche Tatsache wieder einmal zu erinnern, ist das 50-jährige Jubiläum des sogenannten Elysée-Vertrags, der seit 1963 eine „entente cordiale“ zwischen den beiden ehemaligen „Erbfeinden“ vorsieht. Der Fernsehfilm von Werner Biermann und Kristian Kähler verbindet die Erinnerung an das historische Vertragswerk mit dem anschaulich und elegant ins Erzählerische aufgelösten Hinweis darauf, dass dies so kurz nach dem Zweiten Weltkrieg nicht möglich gewesen wäre, wenn es diese beiden Herren nicht geben hätte: Konrad Adenauer, der 1933 sauber geblieben war, sowie den General de Gaulle. Der hatte es meisterhaft verstanden, die französische Niederlage von 1940, gleichsam in letzter Sekunde, im August 1944 in einen Sieg zu verwandeln. Auch war er der einzige Franzose, der in den Augen seiner Landsleute (als Militär) legitimiert war, die Aussöhnung mit einer Nation voranzutreiben, unter deren Besatzung Frankreich vier Jahre lang erheblich zu leiden gehabt hatte.

Der Fernsehfilm spricht damit zwei Wahrheiten aus, die heutzutage viele politisch korrekte Gemüter ergrimmen werden (umso besser!). Erstens: Politik machen heißt auch, sich über „Stimmungen“ in der Bevölkerung kühn hinwegzusetzen. Vor allem aber: Männer machen eben doch Geschichte. Zumindest, wenn sie danach sind.

Und das waren diese beiden. Biermann/Kähler zeichnen sehr schön den Beginn einer großen Freundschaft nach, die im Sommer 1958 ihren Anfang nahm – als eine, wie die De-Gaulle-Biografin Frédérique Néau-Dufour hier schwärmerisch verkündet, „Liebe auf den ersten Blick“. Das hatte mitnichten etwas Erotisches, zumal die beiden Herren, die sich da ganz privat auf dem lothringischen Landsitz des Generals zum ersten Mal begegneten, zwei durchaus ältere Semester waren (de Gaulle zählte 68 Lenze, Adenauer 82). Aber eine Art geistige Liebe muss es eben doch gewesen sein, vor allem von Seiten des Generals, der nun offenbar endlich einen Deutschen gefunden hatte, den er in die Arme schließen konnte. Einen Deutschen, der, wie er, im katholischen Glauben und im bürgerlichen Geschichtsgefühl des 19. Jahrhunderts fest verwurzelt war. Welche Erleichterung nach all den Proleten, Barbaren und Vatermörder tragenden Lakaienseelen, mit denen es seine Generation bis dato zu tun gehabt hatte! Und so konnte denn der General den Deutschen 1962 jenes Geschenk machen, das sie mit so dankbarer Erschütterung erfüllte wie später nur noch Kennedys (freilich salopperes) „Ich bin ein Berliner“. Der General sprach: „Sie sind ein großes, jawohl ein großes Volk!“ Er sagte es, in eine komplizierte Nebensatzkonstruktion eingebunden, auf Deutsch.

Die Welt, 19.01.2013

Kampf um den Vatikan

Nur wenig dringt aus dem Vatikan nach außen. Umso spannender ist die Arte-Doku „Kampf um den Vatikan“. Sie enthüllt, mit welch harten Bandagen um das Zweite Vatikanische Konzil gekämpft wurde. Denn viele Bischöfe widersetzten sich der längst überfälligen Modernisierung.

Die katholische Welt schaute gebannt nach Rom, als im Oktober 1962 das Zweite Vatikanische Konzil begann. Papst Johannes XXIII. wollte damit die Kirche der modernen Welt öffnen. Doch es wurde eine Zerreißprobe daraus.

Denn unter den 2450 Bischöfen aus aller Welt waren viele, die sich der längst überfälligen Modernisierung widersetzten. Mehr als drei Jahre wurde um Macht und Wahrheit gerungen. Am Ende standen zwar Fortschritte. Zum ersten Mal erkannte die Kirche das Grundrecht auf Religionsfreiheit an und sah Andersgläubige nicht mehr als Ungläubige. Gottesdienste wurden nicht mehr ausschließlich in Latein abgehalten, Priester wandten den Gläubigen nicht mehr den Rücken zu. Aber viele Themen wie Geburtenkontrolle und Zölibat wurden bewusst ausgeblendet.

In der ausgezeichneten Dokumentation „Kampf um den Vatikan – hinter den Kulissen des Kulissen des Konzils“ (Arte, Dienstag, 20.15 Uhr) zeigen Holger Preusse und Ludwig Ring-Eifel detailliert auf, wie trickreich und mit harten Bandagen um jede Neuerung gerungen wurde. Da gab es die Traditionalisten um den französischen Kardinal Lefebvre, die jede Neuerung ablehnten. Auf der anderen Seite die Rheinische Allianz, gebildet aus deutschen, holländischen und französischen Klerikern, denen nicht entgangen war, wie sehr sich die reale Welt von der Katholischen Kirche entfernt hatte.

Der Kölner Kardinal Frings spielte darin eine wichtige Rolle. Und dann noch die machtbewusste römische Kurie, die schon vor Beginn wichtige Funktionen des Konzils mit Leuten ihrer Wahl besetzt hatte. Mit Erfolg wehrten sich die Bischöfe gegen diese Bevormundung. Der jetzige Papst Benedikt XVI., damals als junger Theologe im Beraterstab von Kardinal Frings dabei, versucht noch heute, die Risse von damals zu kitten.

Nach dem Tod des überaus populären Johannes XXIII. beendete Papst Paul VI. 1965 das Konzil. Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass die Zeichen der Zuversicht vom Anfang des Konzils nicht mehr deutlich zu erkennen sind. Immerhin besucht knapp 20 Jahre später mit Johannes Paul II. erstmals ein Papst eine Synagoge.
WAZ

Arte-Themenabend: Die neuen Vegetarier

Der sehenswerte Arte-Themenabend beantwortet die Frage „Dürfen wir Tiere essen?“ mit einem eindeutigen Fazit: „Eigentlich nicht“.

Dürfen wir Tiere essen? Nicht zuletzt seit den literarischen Denkanstößen von Jonathan Safran Foer („Tiere essen“) und Karen Duve („Anständig essen“) ist die Frage, ob Fleischverzehr gesund ist, eng verknüpft mit jener, wie wir eigentlich unsere Mitgeschöpfe, die Tiere, behandeln. Beide Themenkomplexe verbinden die Dokumentationen eines sehenswerten Arte-Themenabends. Die Frage beantwortet sich dabei schon fast von alleine: Nein.

Die Dokumentation „Nie wieder Fleisch?“ von Jutta Pinzler führt vor Augen, dass die Zeiten, in denen Fleisch höchstens sonntags auf den Tisch kam, lange vorbei sind. Der Fleischkonsum ist weltweit drastisch angestiegen. In den vergangenen 50 Jahren hat er sich verfünffacht. Deutschland war mit acht Millionen Tonnen schon 2010 Europas größter Produzent. Während in Europa eine langsame Sättigung erreicht ist, wächst der Verbrauch in den Schwellenländern. Bis 2050 wird er sich verdoppeln, so die Prognose.

Und schon jetzt fand die Redakteurin Vertreter von Chinas neuer Wohlstandsmitte. Dreimal am Tag – und zwar jeden Tag – esse er Fleisch, sagt da ein fettleibiger Familienvater in die Kamera. Manchmal gehe er auch noch nachts an den Kühlschrank. Die Folgen zeigen sich längst in den chinesischen Metropolen: Übergewicht, einst eine Krankheit des Westens, genauso wie Gicht, Diabetes und Herzprobleme. Fleisch erhöhe signifikant das Krebsrisiko, bestätigt auch der Heidelberger Nobelpreisträger Harald zu Hausen. Das ist nicht das alleinige Übel.

Der Methanausstoß von Rindern gilt sogar als größerer Klimakiller als Kohlendioxid. Die zuhauf auf die Äcker gekippte Gülle treibt die Nitratwerte im Grundwasser in krebserregende Höhen. Fleisch ist heute billig zu haben. Den Preis dafür zahlen verarmte Bauern in der Dritten Welt, deren Äcker für die westliche Tierfutterproduktion herhalten müssen – und die Tiere.

Die Szenen, die Tierschützer mit versteckter Kamera in der industriellen Massenproduktion und Schlachthöfen eingefangen haben, sind für Hartgesottene. Lebendig am Haken zappelnde Rinder. Schafe, natürlich noch lebend, mit offen klaffenden Halswunden. Vor ihrem unwürdigen Tod führen die Tiere ein erbärmliches Leben. Hühner etwa, bewegungsunfähig gemästet und vollgestopft mit Antibiotika.

Der Film lässt Journalisten, Tierschutzaktivisten und einen Sprecher der EU-Agrarkommission zu Wort kommen. Erschreckend defensiv zieht der sich auf die starke Nachfrage zurück. Von moralischer Verantwortung keine Spur. Die Macht der Fleischlobby lässt sich da nur erahnen.

Wo hier Aufklärung dominiert, zeigt der zweite Beitrag des Themenabends „Die neuen Vegetarier“, dass es auch anders geht. Längst ist auf der Basis von Gesundheit und Nachhaltigkeit ein eigener Lebensstil entstanden. Die Lohas (Lifestyle of Health and Sustainability) sind in aller Munde. Doch noch immer bilden sie mit knapp zwei Prozent eine – oft belächelte – gesellschaftliche Randgruppe.

Autor Michael Richter begleitet die vierköpfige Familie Wittmann aus Hamburg durch einen fleischlosen Selbstversuch. Und es zeigt sich, dass vegetarische Ernährung keinesfalls gleichzusetzen ist mit Askese und Genussverzicht. Das beweist etwa der Ausflug zu dem von Sternekoch Michael Hoffmann betriebenen Restaurant Margaux. In Berlins bester Innenstadtlage kreiert er wahre Genüsse – ausschließlich auf vegetarischer Basis.

Das Fazit des Abends ist ernüchternd. Weitermachen geht nicht. Schon wenn wir weniger Fleisch essen würden, wäre dem Planeten geholfen. Für Fleischliebhaber bleibt nur eine Option: zurück zum Sonntagsbraten.
Hamburger Abendblatt

Landträume

Blümchen pflücken

Weichgezeichnete Idylle, sattgrüne Bilder: Arte zeigt die zweite Staffel der „Landträume“. Eine Dokumentation von Stadtmenschen und der Liebe zur Natur.

Irgendwas scheint die Deutschen am Landleben nachhaltig zu faszinieren. Nicht unbedingt das Rackern auf dem Bauernhof hart am Existenzminium, wo man morgens um sechs Uhr einen Stall voller Kühe zu melken hat und danach auf dem Mähdrescher sitzt, bis die Sonne untergeht, oder in den Schweinekoben den Mist zusammenkratzt.

Was der moderne Großstadtmensch, der sich nach ein bisschen Heimeligkeit vorm Herdfeuer sehnt und davon träumt, seine Marmelade selbst einzukochen, sich unter Landleben eigentlich vorstellt, zeigt der Erfolg diverser Land-Medien. Zunächst der Zeitschrift LandLust und ihrer ungezählten Klone, dann auch von TV-Magazinen wie „Landlust TV“, das im Dezember im NDR anlief.

Auf Arte läuft nun bereits die zweite Staffel „Landträume“ an, eine weitere Sendereihe im Doku-Format, die wöchentlich in schönen, sattgrünen Bildern zu sanft plätschernder Hintergrundmusik das Landleben ganz gehörig romantisiert.

In der ersten Folge haben die Autoren Holger Preuße und Sabine Hanke vier Paare beim Johannisbeerenernten, Weidenzäuneflechten und Blumenumtopfen zugeschaut, darunter Guilles le Breton und seiner Frau. Er sitzt in seinem Garten und tupft an einem Ölbild herum: „In grünen Herzen der Bretagne tauscht Guilles le Breton ab und zu die Rosenschere gegen Pinsel und Ölfarbe“, kommentiert eine sanfte Sprecherinnenstimme dazu.

Überhaupt wundert man sich, wie viel Zeit das Landvolk in ihren großen Gärten für Blumenpflücken, Backen und Malen übrighat. Und wovon die Leute eigentlich leben. „Landträume“ suggeriert jedenfalls: von Salat, Johannisbeermarmelade und der Liebe zur Natur.

Wahrscheinlich haben sie im ersten Leben in der Stadt einfach nur genug Geld verdient, um nun im Alter gemütlich Beete umgraben zu können. Was ja auch hübsch anzuschauen ist.
taz