Sternstunden der Musik | Jessye Norman und Kathleen Battle singen Spirituals

Sternstunden der Musik | Jessye Norman und Kathleen Battle singen Spirituals

Sternstunden der Musik | Jessye Norman und Kathleen Battle singen Spirituals

Ein Film von Dag Freyer, ZDF/arte und C Major Entertainment, 43 min., 2021

Der Abend im März 1990 steht unter enormem Erwartungsdruck. Die Spannung knistert an allen Ecken. Würden die beiden konkurrierenden Diven es tatsächlich schaffen, gemeinsam und nicht gegeneinander zu singen? Obwohl Spirituals sich inzwischen als Konzertrepertoire etabliert hatten, ist es doch stets ein Wagnis, die Wucht klassisch geschulter Stimmen auf die innig-schlichten Melodien „loszulassen“.  Kann der Geist von Musik, die Menschen in der Unterdrückung Lebenskraft, Mut und Trost spenden sollte, von hochvirtuosen Stimmen für Hörer auf sündteuren Opernplätzen bewahrt werden?

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Die beiden Diven erobern die Carnegie Hall im Sturm, Kritik und Publikum huldigen ihnen: Es ist ein musikalisches Fest aus Charisma, Virtuosität, Lebendigkeit und Show. Jessye Norman dominiert mit ihrem authentischen Timbre und einem afrikanisch-farbenprächtigen Kostüm die Bühne, Kathleen Battle trifft noch die feinsten hohen Koloraturen. Eine magische Einheit entsteht zwischen den beiden gegensätzlichen Künstlerinnen an diesem Abend, als sie sich dem Repertoire annehmen, mit dem in ihrer Jugend ihr musikalischer Werdegang begonnen hatte.

Peter Gelb, damals der Produzent des Konzerts und heute der General Manager der Metropolitan Opera, erinnert sich an die Umstände, unter denen dieses besondere Konzertereignis entstand. Queen Esther Marrow, die Gründerin der Harlem Gospel Singers, und die in Berlin lebende Jocelyn B. Smith unterstreichen den spirituellen Aspekt und die politische Dimension des Abends.

Hört man das Konzert heute, 3 Jahrzehnte der Desillusionierung später, so hört man es unweigerlich im Kontext der „Black Lives Matter“ – Bewegung, die sich durch eine Häufung von Polizeigewalt gegen Schwarze gebildet hat. Ein Rollback, wie es wohl insbesondere die beiden Sängerinnen nicht erwartet hätten, die ihr eigenes Kapitel der Bürgerrechtsbewegung vollendeten, indem sie das Auftreten Nicht-weißer Sänger*Innen auf den Opernbühnen zur Normalität machten.

Wir hören die packenden Duette wie Scandalize my Name und „Klassiker“ wie Swing low, sweet Chariot erneut und versuchen, das Konzert in seiner damaligen und heutigen musikgeschichtlichen wie politischen Dimension zu erfassen – vor allem aber, um die einzigartige Performance zu genießen, die dieser genuin afroamerikanischen Ausdrucksform weltweite Wertschätzung eroberte.

Adoptiert

Adoptiert

Adoptiert

Eine Serie von Jean Boué, 3x 25min, WDR 2021

Jetzt in der ARD-Mediathek verfügbar

Eine Adoption. Das ist, wenn ein Paar ein fremdes Kind annimmt und wenn ein Kind fremde Eltern bekommt. Eine Adoption ist, wenn ein Traum in Erfüllung geht und ein Notstand aufhört. Doch bevor es dazu kommt, haben Paare oft kaum etwas unversucht gelassen, um ein leibliches Kind zu bekommen. Künstliche Befruchtungen, abgebrochene Schwangerschaften, Fehlgeburten. Die Adoption ist für viele die allerletzte Chance, überhaupt ein Kind zu bekommen.

Wenn eine Adoption gelingt, ist die Freude zunächst groß. Über Nacht entstehen Familien, in der sich das Kind und seine Eltern kennen und mit der Zeit lieben lernen. Doch es ist ein Einschnitt, es stellt das Leben der Eltern auf den Kopf. Adoptierte Kinder bringen unerklärliche Eigenarten und Vorgeschichten mit, die ihre neuen Eltern überraschen, sie herausfordern und immer wieder an Grenzen bringen. Eine Adoption ist eine Reise ins Ungewisse mit Höhen und Tiefen.

Für seine dreiteilige Erzählserie „Adoptiert“ hat Jean Boué fünf Paare getroffen, die von ihren Erfahrungen erzählen. So treten die Paare miteinander in einen Dialog, fast so, als sässen sie in einem Raum, als hörten sie einander zu oder würden miteinander interagieren. Die Erfahrungen der Elternpaare sind vergleichbar, sie ähneln und verdichten sich, manchmal scheint es fast, als sprächen sie von ein und demselben Kind. Dabei könnten die Paare unterschiedlicher kaum sein, sie sind alt und jung, aus Ost und West, ihre Adoption hat gerade begonnen oder sie ist schon ewig her.

In drei Folgen erzählen Die Paare von ihren Erlebnissen. Der erste Teil, „Schwierige Geburt“, handelt von den vergeblichen Versuchen, ein leibliches Kind zu bekommen und von der Entscheidung, eines zu adoptieren. Der zweite, „Begegnung des Lebens“, thematisiert den gemeinsamen Weg in ein neues Leben. In der letzten Folge, „Was drin steckt, steckt drin“, geht es um die Überraschungen und Unwägbarkeiten, mit denen alle Paare in ihrem Alltag mit adoptierten Kindern zu tun haben und hatten.

Die Idee für diesen Elternblick auf die Adoption entstand Ende 2019, gemeinsam mit dem Produzenten Stefan Pannen, der wie der Autor auch Adoptivvater ist. Doch während der Pandemie waren Recherchen, Reisen und Dreharbeiten fast unmöglich. Der Auslöser, den Film ausschließlich mit Gesprächen zu machen und auf andere Bilder gänzlich zu verzichten, entstand sozusagen aus der Not. Doch „Erzählfilme“ wie diesen hat es im Fernsehen und Kino immer wieder gegeben. Erfunden hat diese Form Eberhard Fechner, der vor über 50 Jahren die ersten Filme aus Gesprächen mit seinen Protagonisten montiert hat.

Sternstunden der Musik | Der Jahrhundertring 1976

Sternstunden der Musik | Der Jahrhundertring 1976

Sternstunden der Musik | Der Jahrhundertring 1976

Ein Film von Eric Schulz, ZDF/arte und C Major Entertainment, 43 min., 2021

Die künstlerischen und gesellschaftlichen Wellen schlugen hoch, noch bevor sich der erste Vorhang hob. Flugblätter wurden verteilt und Unterschriften gegen die Inszenierung gesammelt, Musiker verließen den Orchestergraben, weil sie mit der avancierten Interpretation durch den Dirigenten Pierre Boulez nicht einverstanden waren. Die konservative Presse wehrte sich gegen die politisch-kapitalismuskritische Deutung von Richard Wagners Hauptwerk „Der Ring des Nibelungen“. Nach der Absage von Ingmar Bergmann wurde der erst 31jährige Fernseh- und Filmregisseur Patrice Chéreau verpflichtet. Er hatte bislang lediglich eine Oper von Rossini und Offenbach inszeniert. Als Konzept für den mehrteiligen und vielstündigen „Ring“ hatte er bei Wolfgang Wagner eine Schreibmaschinenseite eingereicht. Es blieben ihm vier Monate Zeit, das gewaltige Bühnenwerk zu erarbeiten.

1976: Das hundertjährige Bestehen der Bayreuther Festspiele sollte mit einer Neueinstudierung von Richard Wagners „Ring“ groß gefeiert werden. Im Foyer des Festspielhauses wollte man eigentlich die Jubiläumsstimmung verbreiten, aber da spuckte Bayreuths Stammkundschaft Gift und Galle gegen die „entartete Kunst“: „Ein Kasperltheater“, „brutale Vergewaltigung“ und „der Wagner, der Richard, dreht sich im Grabe um“ konnte man hören. Bürgerinitiativen aus Mannheim und Heidelberg mit dem Slogan „Werkschutz für Wotan“ gründeten sich und man suchte die Aufführung durch Buhrufe zu stören. Vereinzelt kam es zu Rangeleien und Schlägereien.

Patrice Chéreau hat sich in seiner Inszenierung konsequent an den sozial-politischen Kunstschriften von Richard Wagner orientiert, die der Komponist im Kontext seiner Arbeit am „Ring“ geschrieben hatte. Es war keine vordergründige linke Ideologie, sondern es war Wagners Versuch, einer Epoche ihr mythologisches Fundament zu geben und die Gesinnung der Zeit einzufangen. Der „Ring“ wird so zu einer Allegorie auf das industrielle Zeitalter in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit all seinen politischen Implikationen. Patrice Chéreaus Ansatz war es, den „Ring des Nibelungen“ als „eine Beschreibung der schrecklichen Perversionen der Gesellschaft, die sich in dieser Erhaltung der Macht begründet“ zu verstehen und ihn in seinen „Mechanismen eines starken Staates und der Opposition“ zu entlarven. Diese Art der Interpretation gefiel vor allem den Altwagnerianern und rechtskonservativen Kreisen überhaupt nicht. Trotz aller Anfeindungen, Festspielleiter Wolfgang Wagner und das Regieteam hielten an ihrem Konzept fest und überließen die Bühne der Kunst.

Der „Jahrhundertring“ erfüllte das Diktum Richard Wagners, dass mit dem „Ring“ ein musikalisches Gesamtkunstwerk zu schaffen sei. Mit der Inszenierung, dem Bühnenbild und Lichtdesign, den Kostümen, der musikalischen Interpretation und nicht zuletzt der sängerischen Qualität der zahlreichen Solisten und des Chores wurde ein Mythos geboren. Das deutsch-französische Projekt endete mit einem der größten musikalischen Triumphe; die Inszenierung wurde als Jahrhundertereignis gefeiert.

Der Film zeigt Ausschnitte von diesem im wahrsten Sinne monumentalen Opernereignis. Zeitzeugen blicken zurück und kommentieren das Geschehen auf und jenseits der Bühne. Die Sopranistin Dame Gwyneth Jones, die Altistin Hanna Schwarz und der Tenor Heinz Zednik standen damals mit auf der Bühne. Der französische Regisseur Vincent Huguet erzählt von seiner Zusammenarbeit mit Patrice Chéreau, dessen Assistent er in späteren Jahren war; die junge Sängerin Anna Prohaska, der Wagner-Sänger Günther Groissböck und Regisseur Barrie Kosky haben sich mit dem „Jahrhundertring“ auseinandergesetzt und sprechen über ihre Eindrücke. Und Friedrich Dieckman hat als Berichterstatter eine der wichtigsten Rezensionen über die die Vorgänge in Bayreuth geschrieben.

Mona Bard

Mona Bard

Mona Bard

Redakteurin, Producerin
Lily Küntzle

Kontakt:

mona.bard@sounding-images.de

Mona Bard besitzt ein intuitives Taktgefühl und ein untrügliches Gespür für harmonische Wendungen. Ein spür- und hörbarer Vorteil, nicht nur in Konzeption und Umsetzung ihrer Projekte. Und das kommt nicht von ungefähr: Als Konzertpianistin und Arts & Media Managerin verbindet sie künstlerischen Anspruch mit professionellem Produktionsmanagement. Sie kennt die Klassikwelt aus dem Effeff, ist auf und hinter der Bühne exzellent vernetzt und bringt mit ihrer Leidenschaft seit 2024 als Redakteurin und Producerin die Produktionen bei sounding images zum Klingen.

Planet der Schafe

Planet der Schafe

Planet der Schafe

Ein Film von Marvin Entholt, 2 x 45min, NDR/ARTE 2021

Schafe sind das wohl am meisten unterschätzte Tier der Welt. Ohne sie wäre die Menschheit nicht, wo sie heute steht. Nahrung, Kleidung – all das liefert der anspruchslose Widerkäuer dem Menschen seit elftausend Jahren. Die Tiere haben Gesellschaften wachsen lassen, sie sind Kulturbereiter des Menschen und bis heute in vielen Teilen der Welt Lebensgarant und Wirtschaftsmotor. ‚Planet der Schafe‘ begibt sich auf eine Spurensuche bei Schäfern und Züchtern in aller Welt.

In Europa steht der traditionelle Hirtenberuf vielfach vor dem Aussterben, in der Lüneburger Heide sind nur noch wenige Schäfer mit ihren Heidschnuckenherden unterwegs, um die Kulturlandschaft zu erhalten. Doch noch lebt manche alte Schäferkultur, auf Sardinien ebenso wie in Nordmazedonien mit der Tradition der Transhumanz von vielen tausend Tieren. In Schottland geht eine junge, weibliche Generation neue Wege, um die alte Kultur der Schafzucht in das 21. Jahrhundert zu retten. Und auch in Spanien etablieren sich neue Formen der Schafhaltung: Schäferschulen bilden eine neue Generation von Hirten aus.

China geht eigene Wege: Hier leben Schafe in Intensivhaltung von hunderttausenden Tieren, um den Hunger der Bevölkerung zu stillen. Doch vor allem im Kleinen sind Lebensqualität und oftmals direktes Überleben des Menschen direkt mit der Existenz des Schafs verknüpft – so wie in Äthiopien, wo Bauern schon dank weniger Tieren den Schulbesuch ihrer Kinder finanzieren können. Das anspruchslose Schaf ist ein Meister der Anpassung an nahezu jegliche Umweltbedingung – und damit wohl auch ein Helfer im Klimawandel.

Teil 1:   Hinaus in die Welt
Teil 2:   Auf in die Zukunft

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