Sternstunden der Musik: Die New Yorker Philharmoniker in Nordkorea

Sternstunden der Musik: Die New Yorker Philharmoniker in Nordkorea

Sternstunden der Musik: Die New Yorker Philharmoniker in Nordkorea

Ein Film von Alix François Meier ZDF/ARTE, 43 min, 2025

Kann Musik tatsächliche eine Rolle in der Diplomatie spielen, gar Veränderungen bewirken? Ein Fax aus dem nordkoreanischen UN-Büro scheint dafür den Weg zu ebnen: 2008 laden die Machthaber in Pjöngjang die New Yorker Philharmoniker ein – 55 Jahre nach dem Koreakrieg zum ersten großen kulturellen Austausch zwischen den USA und Nordkorea. Was zunächst wie ein Scherz wirkt, wandelt sich zu einem der außergewöhnlichsten Konzerte der Musikgeschichte.

48 Stunden in der hermetisch abgeriegelten Hauptstadt erleben die Musiker:innen ein Land wie aus der Zeit gefallen. Violinistin Lisa Eunsoo Kim beschreibt die Ankunft: „Es fühlte sich nicht wie ein normaler Flughafen an“. Sie war überrascht vom Einsammeln der Pässe und Handys. Die Musiker erfahren, wie stark die Kontrolle über die Gäste ausgeübt wird. „Wir durften das Hotel nicht verlassen, und wer spazieren gehen wollte, wurde sofort zurückgepfiffen“, erinnert sich der Fernsehregisseur Michael Beyer.

Im Großen Theater von Ost-Pjöngjang herrscht anfangs eisige Förmlichkeit. Das Publikum wirkt vorsichtig, zurückhaltend – ein deutlicher Kontrast zu den gewohnten Konzertreisen in Asien. Doch Chefdirigent Lorin Maazel schafft es, im Laufe des Konzerts die Barrieren zu durchbrechen. „Mein Vater spielte viel in der Sowjetunion“, so sein Sohn Leslie Maazel, „er ist damals überzeugt: Musik verstehen und fühlen alle – sie kann die Tür für Dialoge öffnen.“

Die Programmauswahl erweist sich als diplomatischer Geniestreich. „Der Ablauf war sorgfältig zusammengestellt,“ erinnert sich Dietlinde Turban-Maazel, „es entwickelte sich von den Nationalhymnen zum ernsteren Dvořák.“ Antonín Dvořáks Sinfonie „Aus der Neuen Welt“ – komponiert von einem Tschechen in Amerika – wird zur perfekten Brücke zwischen den Welten. Dirigentin Lidiya Yankovskaya erklärt die emotionale Bandbreite des Werks, das Menschen unabhängig von ihrer politischen Situation berührt. Maestro Maazel Dirigierstil zeichnet für die Violinistin Bomsori Kim von seiner intellektuellen Präzision und emotionaler Tiefe.

Besonders bewegend: Für Leonard Bernsteins Candide-Ouvertüre tritt Lorin Maazel vom Pult zurück. Er lässt es bewusst ohne Dirigent gespielt – eine subtile Botschaft über Selbstorganisation ohne „großen Führer“.

Der Höhepunkt kommt mit „Arirang“, einem koreanischen Volkslied. Hier bricht endgültig der Bann: Das Publikum zeigt Emotionen, der kulturelle Austausch gelingt. Trotz aller politischen Spannungen beweist das Konzert die verbindende Kraft – eine Sternstunde der Musik.

Sternstunden der Musik: Martha Argerich & Daniel Barenboim in Buenos Aires

Sternstunden der Musik: Martha Argerich & Daniel Barenboim in Buenos Aires

Sternstunden der Musik: Martha Argerich & Daniel Barenboim in Buenos Aires

Ein Film von Dag Freyer ZDF/ARTE, 43 min, 2025

Zwei Künstlerpersönlichkeiten, wie sie auf den ersten Blick unterschiedlicher kaum sein könnten: Martha Argerich, die – sitzt sie einmal am Klavier – mit bezwingender Virtuosität und genialer Impulsivität den Konzertsaal unter Strom setzen kann, die abertausend Tode stirbt, bevor sie die Bühne betritt, und die nichts weniger liebt, als öffentlich über sich und ihre Kunst zu sprechen. Und Daniel Barenboim, dessen schwindelerregende Vielzahl von Aktivitäten am Pult, am Klavier, in Politik und Lehre begleitet wird von der Freude an der medialen Vermittlung. Argerich, die in der Öffentlichkeit scheu und am Klavier so extrovertiert ist, und Barenboim, der die Aura des selbstgewissen Maestros ausstrahlt und der – besonders als Solist am Klavier – durch seine Kunst der Versenkung und Introspektion, durch die stillen Töne aufhorchen lässt.

Beide verbindet von Jugend an eine an musikalischen Sternstunden reiche Künstlerfreundschaft. Was geschieht, wenn diese so unterschiedlichen Persönlichkeiten ein Piano Duo bilden?

Im Jahre 2014 kam es im Teatro Colón zu einem denkwürdigen Konzert der beiden Ausnahmekünstler an zwei Klavieren. Gemeinsam hatten die beiden Superstars beinahe überall auf der Welt schon gemeinsam gastiert – nur nicht in ihrer Heimatstadt. Ihr erstes gemeinsames Auftreten in Buenos Aires geriet zu einer musikalischen Sternstunde und zu einer Art Volksfest gleichermaßen.

Elena Bashkirova, Ehefrau von Daniel Barenboim und selbst gefeierte Pianistin, erinnert sich daran, wie „das Publikum völlig aus dem Häuschen geriet“ und welch besonderes Ereignis das Konzert auch für Argerich und Barenboim selbst war, „weil die beiden sich nirgendwo so zuhause fühlen wie dort“.  Auch Kian Soltani kann sich gut an die Elektrizität erinnern, die an jenem Abend in der Luft lag, denn er stand bei einem Stück mit erweiterter Besetzung an diesem Abend mit auf der Bühne. Lang Lang und Gabriela Montero haben selbst mit diesen Künstlern konzertiert, auch als Piano-Duo, und sprechen darüber, was die besondere musikalische Chemie zwischen Martha Argerich und Daniel Barenboim ausmacht, und das „Geister Duo“ – die Gewinner des ARD-Musikwettbewerbs 2021 – geben Einblicke in die besondere Kunst des Spiels als Piano Duo.

Während ihres Aufenthalts in Buenos Aires gingen Argerich und Barenboim auf Spurensuche nach Orten ihrer Kindheit, wo sie sich kennenlernten.

Und wie erinnert sich Daniel Barenboim selbst an das Konzert? Er lacht: „Mit Martha ist es total einfach. Das ist nicht mit jedem so. Man kann sich in sie nur verlieben.“

Sternstunden der Musik

Sternstunden der Musik

Sternstunden der Musik

Autoren: diverse, 43 min, ARTE/ZDF

Die erfolgreiche Reihe „Sternstunden der Musik“ widmet sich historischen Musikereignissen und ihren Protagonist:innen – den Momenten, die Legenden schufen und in denen sich Zeitgeschichte kristallisierte. Ob Pianist Arthur Rubinstein, der allmählich erblindet und in der Fairfield Hall Chopins zweites Klavierkonzert ein letztes Mal zum Leuchten bringt oder Jessye Norman und Kathleen Battle, zwei der weltbesten Sopranistinnen, die 1990 in der Carnegie Hall der afroamerikanischen Musiktradition ein Denkmal gesetzt haben.

 

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Sternstunden der Musik: Die Wut der Nina Simone

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Ein Film von Magdalena Zieba-Schwind ZDF/ARTE, 43 min, 2024

Es ist ein besonderer Moment im Leben der weltberühmten Sängerin und Klavierspielerin. Sie ist gerade Mutter geworden, in Amerika hat sie sich den Protesten der Bürgerrechtsbewegung gegen den Rassismus und die Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung angeschlossen. Sie schreibt und singt überwiegend Protestlieder und riskiert damit ihre Karriere, denn ihre Texte gelten in Amerika als unbequem, werden zum Teil sogar boykottiert. In Europa sieht sie die Chance, sich frei zu artikulieren und die Geschichten über die Unterdrückung von Schwarzen aus ihrer Heimat zu erzählen. Durch Fernsehkonzerte wie dieses erreicht sie ein Millionenpublikum.

Der Film erzählt von Simones Anfängen in der Musik, wie sie von der Klassik zum Jazz kam, und über ihren Mut und unerbittlichen Kampf für Gleichberechtigung und Freiheit. „Tomorrow ist my turn, no more doubts, no more fears“, singt Simone in einer Mischung aus Resignation und trotziger Hoffnung. Sie hofft, dass ihre Stimme Teil der Veränderung der Situation der schwarzen Bevölkerung in den USA der 1960er sein kann.

Die Pianistin Gabriela Montero und die Sängerin Angélique Kidjo erklären, wie die Musik ein Instrument des Widerstands sein kann. Jazzsängerin Lizz Wright ist bis heute in ihrem Schaffen von Nina Simone stark beeinflusst. Opernsängerin Victoria Randem erläutert, wie wichtig Nina Simone für die Generationen nach ihr war. Sie alle zeigen wie wichtig Zivilcourage, Authentizität und Emotionalität auf der Bühne sind und wie das Vermächtnis von Nina Simones bis heute nachwirkt.

Sternstunden der Musik: Arturo Benedetti Michelangeli spielt Ravel

Sternstunden der Musik: Arturo Benedetti Michelangeli spielt Ravel

Sternstunden der Musik: Arturo Benedetti Michelangeli spielt Ravel

Ein Film von Dag Freyer und Philipp Quiring, ZDF/ARTE, sounding images, 43/52min, 2024

Der Name Arturo Benedetti Michelangeli ist bis heute untrennbar mit dem Klavierkonzert G-Dur von Maurice Ravel verbunden. Wie Michelangeli beispielsweise die Trillerketten so artikuliert, dass die Illusion entsteht, als könne man auf der Klaviatur wie auf einem Streichinstrument von einem Ton zum nächsten hinübergleiten, ist bisher unerreicht.

Gleichzeitig ist Michelangeli ein großes Mysterium: Er war für seine zahlreichen Absagen berühmt-berüchtigt. Kleinste Unstimmigkeiten am Instrument, eine kleine Änderung des Raumklimas von Probe zu Konzert reichten aus, um eine Aufführung platzen zu lassen.

Gleichzeitig ist Michelangeli ein großes Mysterium: Er war für seine zahlreichen Absagen berühmt-berüchtigt. Kleinste Unstimmigkeiten am Instrument, eine kleine Änderung des Raumklimas von Probe zu Konzert reichten aus, um eine Aufführung platzen zu lassen.

Sein Ruf, als einer der größten seiner Zunft, ist unbestritten. Pianistenlegende Krystian Zimerman erinnert sich an seinen künstlerischen Austausch mit Michelangeli. Für Pierre-Laurent Aimard ist er als Magier der Akustik eine erklärte Inspirationsquelle. Serge Celebidachi, der Sohn von Sergiu Celibidache, gewährt Einblicke in die besondere Künstlerfreundschaft der beiden Perfektionisten. Während sich Marina Baranova in Bayern auf die Suche nach Michelangelis Flügel macht, erinnert sich Cord Garben, Michelangelis Produzent, an die nicht immer einfache Zusammenarbeit. Jazzmusiker Stefano Bollani, ein Bewunderer von Michelangeli, zeigt die Inspiration Ravels durch den Jazz auf.